© Waldorfkindergarten Engen
Eine Kindergärtnerin, die ab August 1978 den Waldorfkindergarten leiten soll, hat der Verein bereits gefunden. Sie ist 23 Jahre alt, staatlich ausgebildet, bringt Heimerfahrung mit und praktiziert zur Zeit in einem Waldorfkindergarten in Überlingen. Problem ist die Finanzierung. Da man die Eltern, die ein Kind in den Waldorfkindergarten schicken, nicht über Gebühr belasten will, hofft der Verein auf fördernde Mitglieder. Auch rechnet man mit der Unterstützung der Stadt Engen, für die der Waldorfkindergarten den Vorteil hat, daß sie eine Anzahl neuer Kindergartenplätze bekommt, auch wenn manche Kinder nicht aus Engen direkt, sondern auch aus anderen Hegaugemeinden kommen werden. Bisher hat die Stadt Räumlichkeiten angeboten, über die noch nicht entschieden ist. Als Zuschuß will die Stadt den Anteil geben, den sie anderen in Engen vorhandenen Kindergärten gibt, allerdings nur für Kinder, die aus Engen kommen. Nun, hier dürfte noch eine Aufgabe für den Verein liegen. Die Stadt Engen wird sich ausrechnen müssen, welchen Gewinn sie nicht nur an Kindergartenplätzen, sondern auch an Eigeninitiative von Eltern und an Ruf als Stadt mit Ideenvielfältigkeit hat. Das Grundübel des heutigen Erziehungssystems Kindergarten und Schule - sieht die Waldorfpädagogik in der intellektuellen Überforderung des Kindes. Der junge Mensch werde zu früh zu wissenschaftlichem Denken gezwungen. Dazu sei das Kind zwar fähig, werde aber überfordert und in seinem natürlichen Lebensrhythmus gestört. Der Spieltrieb des Kindes und seine schöpferische Phantasie müßten dagegen angeregt und gefördert werden. Im Spiel entwickle sich die Lernfähigkeit des Kindes, besagt die Waldorfpädagogik, wobei es zwischen Spiel und Spiel natürlich Unterschiede gibt. Gemeint ist nicht die Konfrontation mit vorgefertigten Spielsachen, mit bereits ausgetüftelten Spielen, sondern gemeint ist spielen mit natürlichen Mineralien, mit denen das Kind seine Vorstellungskraft walten lassen kann. Denken wir uns ein Spiel aus, einmal, wie es üblich ist, einmal, was Waldorfkinder damit machen würden. Zu Weihnachten gab's einen Kaufladen, schön rot lackiert mit vielen Fächern, Regalen und Schubladen. Das Salz ist in der dritten Schublade links oben, das Brot rechts unten, in der Mitte ein Fach für Süßigkeiten usw. Die Kinder spielen eine Weile damit, bis sie alles kennen und lassen den schönen Kaufladen bald links liegen, weil sie sonst nichts damit anfangen können. Im Waldorfkinderzimmer steht eine selbst gezimmerte Holzbank mit stabiler Lehne. Jetzt wird "Kaufladen" gespielt. Die Kinder besorgen sich ihre Lebensmittel selbst. Sie haben genügend Phantasie, um einem Wollknäuel die Bezeichnung Brot zu geben, ein paar Stücke Stoff und einige Tannenzapfen, vielleicht noch etwas aus Muttis Küche - und fertig ist der Kaufladen. Eine Stunde später wird die Sitzbank abgeräumt, umgedreht und ist die ideale Puppenbühne. Danach ist die Sitzbank wieder Sitzbank, auf der zwei "Waldorfmädchen" sitzen und sich mit ihren selbstgebastelten Puppen unterhalten. Das Kind erlebt seine Umwelt, ahmt sie im Spiel nach und lernt dadurch, ist die einfache Logik der Waldorfpädagogik. Den Vorteil gegenüber dem üblichen Erziehungswesen der westlichen Welt sehen die Waldorfanhänger in der natürlichen Entwicklung des Kindes. Noch einiges haben sich die Waldorffreunde im Hegau für ihren Kindergarten in Engen vorgenommen. Mit einer Gruppe wird begonnen, die nicht mehr als 15 Kinder zählen soll. Der Kindergarten wird nur halbtags "in Betrieb" sein, damit die Verbindung zum Elternhaus nicht zu lange unterbrochen wird. Überhaupt wird auf die Zusammenarbeit Kindergärtnerin und Eltern viel Wert gelegt. Auch eine Abstufung nach Jahren soll es nicht geben. Alle Kinder spielen in einer Gruppe und wenn ein Kind nicht mitspielen will, muß es das nicht, es soll sich frei entscheiden. Und eine Vorschule gibt es im Waldorfkindergarten auch nicht.                                                                            
Im schöpferischen Spiel lernen Kinder natürlich Waldorfkindergarten in Engen vorgesehen - Gegen die intellektuelle Ueberforderung Engen ros. Es surrt kein batteriebetriebener Metall-Schaufellader durchs Kinderzimmer und keine "Mama"-quäkende Plastikpuppe mit langen blonden Haaren sitzt im Puppenwagen. Bücher, die die Kleinkinder aufs Lesen, Schreiben und Rechnen trimmen sollen, bevor sie in die Schule kommen, gibt es auch nicht - bei den Waldorfanhängern. Sie wollen, daß ihre Kinder erst einmal das Spielen lernen, bevor ihr Intellekt auf Wissenschaft eingestellt wird. "Die schöpferische Phantasie fördern" ist ein wichtiger Waldorf-Gedanke und Leitsatz einer Gruppe von Waldorfanhängern im Hegau. Im Dezember des vergangenen Jahres haben sie den "Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik im Hegau" gegründet. Im August dieses Jahres wollen sie in Engen einen Waldorf- kindergarten eröffnen. Später, so der Vorsitzende Konrad Braun aus Mühlhausen-Ehingen, wird vielleicht eine Waldorfschule im Hegau die Fortsetzung sein.
Der etwas andere Engener Kindergarten Eltern bauten den Waldorfkindergarten vor 20 Jahren - Geburtstag gefeiert Eine Elterninitiative veränderte vor 20 Jahren die Kindergartenlandschaft in Engen. 1977 fanden sich einige Eltern aus Engen und dem Hegau zusammen, um einen Kindergarten nach der Waldorfpädagogik zu gründen. 1978 war die Eröffnung. Vorübergehend hatte er eine Bleibe im Freien Jugendseminar gefunden. Im Juni 1982 wurde der von den Eltern erbaute Kindergarten in Betrieb genommen. Jetzt feierte der Waldorfkindergarten seinen 20. Geburtstag. Im Sommer 1977 fanden sich interessierte Eltern zusammen, um sich mit der Waldorfpädagogik vertraut zu machen. Ihr liegt die anthroposophische Pädagogik von Rudolf Steiner zugrunde. Ziel ist eine naturbezogene Erziehung, das Spielen mit selbstgebasteltem Spielzeug, damit die Kinder ihre Phantasie entfalten können. Die Kinder sollten individuell gefördert werden, ohne sie intellektuell zu überfordern. Thomas Jochim, einer der Initiatoren schilderte bei der kleinen Feierstunde zum 20, Kindergartengeburtstag die Entstehungs- geschichte. 1977 wurde der Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik gegründet. Mit acht Kindern wurde der Kindergarten 1978 im Freien Jugendseminar, der ehemaligen Landwirtschaftsschule, eröffnet. Die Kinder kamen aus Engen und aus dem Hegau. Gleichzeitig begann man mit den Überlegungen zu einer eigenen Unterkunft. Man einigte sich auf den Neubau eines Kindergartens. Gegenüber dem Jugendseminar stellte die Stadt ein Grundstück zur Verfügung. Die Baupläne fertigte Jürgen Egner, der auch die Bauleitung übernahm. Egner schilderte in seinem Vortrag Einzelheiten der Bauzeit und der Finanzierung. 378000 Mark ist der Wert des Grundstücks und Gebäudes. Stadt und Land leisteten einen Zuschuß von 174000 Mark. Das Baumaterial bezifferte er mit 90000 Mark und die Eigenleistungen der Eltern mit 168000 Mark. Individuell ist der Baukörper nach dem Waldorfprinzip gestaltet. Anderthalb Jahre haben die Eltern ihre Freizeit und auch Urlaube auf dem Bau verbracht, den sie im Sommer 1982 fertigstellten und einweihten. In den 18 Jahren seines Bestehens hat sich der Kindergarten mit seinen zwei Gruppen bewährt. Die Geburtstagsfeierstunde gestalten sieben Musikanten, ehemalige Kindergartenkinder. Die Vorsitzende des Vereins, Bettina Kaiser aus Tuttlingen, betonte die Verantwortung den Kindern gegenüber. Die Erzieherinnen, Ursula Böttger und Martina Koch, wollen im Sinne der Waldorfpädagogik das ganze Wesen der Kinder ansprechen. Die Initiative, den Geist der Gründungseltern gelte es zu pflegen und auszubauen. Sie betonten aber auch, daß sich die Erziehungsarbeit in den letzten 20 Jahren verändert hat, durch die geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch in Zukunft soll der Kinder- garten Platz für ein phantasievolles Spielen der Kinder bieten und ein waches Auge für die Natur vermitteln. Wichtig für die Kindergartenleiterin Martina Koch ist es, daß die Kinder durch Nachahmung lernen. Die Erwachsenen müßten deshalb Vorbild sein. Nach der Feierstunde tollten die Kinder im Kindergarten und im Freigelände herum und hatten ihren Spaß beim Puppenspiel mit dem Märchen von Rumpelstilzchen. Sommer 1998
Von den Anfängen des Waldorfkindergartens Engen Ideen, Gedanken und Inspiration sind immer der Anfang von etwas Neuem. Damit dieses Neue reifen und Realität werden kann, braucht es Menschen, die zum rechten Zeitpunkt sich begegnen, zusammenwirken und das Neue Gestalt werden lassen. Die Sehnsucht nach einer nach Waldorfprinzipien arbeitenden Einrichtung ging von einer jungen Familie aus, die 1976 in den Hegau versetzt wurde und eigentlich nach Überlingen am See in die Nähe der dortigen Waldorfschule kommen wollte, der Kinder wegen. Es fügte sich, dass zur gleichen Zeit in Engen das anthroposophische Freie Jugendseminar unter der Leitung von Herrn Prange in der ehemaligen Landwirtschaftsschule mit seiner Arbeit begann. Die Suche nach gleichgesinnten Eltern führte die Familie über die dortige Gärtnerin zu Herrn Prange, der dazu ermutigte, eine eigene Waldorfkindergarteninitiative zu gründen. Er bot selbst an, durch gemeinsame intensive Beschäftigung mit der Waldorfpädagogik und der ihr zu Grunde liegenden Anthroposophie in Form von einem Lesekreis, Eurythmie mit Frau Prange und Vorträgen mit Fachleuten mitzuhelfen, das geistige Fundament für die Initiative zu schaffen. An einem Nachmittag im Juni' 77 trafen sich dann interessierte Mitglieder einer Frauengruppe und Eltern mit ihren Kindern zu einem Gedankenaustausch und beschlossen, die Sache weiter zu verfolgen. Ein Lesekreis bei Herrn Prange entstand, man begann, Möbel, Tücher und Puppen für die erste Gruppe herzustellen, informierte sich bei benachbarten Waldorfkindergärten, und man bereitete sich mit einer groß angelegten Werbung und einem schönen Linolschnittplakat, von einem der Väter erstellt, auf einen herausragenden Vortragsabend "Über das Wesen des Kindes" mit Herrn von Kügelgen aus Stuttgart, einem der führenden Persönlichkeiten der Waldorfpädagogik vor, der im Herbst'77 stattfand. Neue Eltern kamen hinzu, und die Arbeit konnte gestärkt fortgesetzt werden. Im Dezember'77 wurde der notwendige rechtliche Rahmen in Form eines Vereins geschaffen und man begann gezielt mit der Suche nach einer Waldorfkindergärtnerin. Durch Zufall hörte im Frühjahr'78 eine Kindergärtnerin in Ausbildung, Frau Angelika Zimmermann, über ihre Mentorin in Überlingen von der neugegründeten Initiative, kam und ward in gegenseitiger Sympathie gewonnen für den Beginn einer Gruppe im Herbst '78, obwohl noch kein Raum zur Verfügung stand. Mit Hochdruck machte man sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für den Kindergarten. Bei einem Tag der Offenen Tür des Freien Jugendseminars im späten Frühjahr '78 übernahm die Initiativgruppe die Kinderbetreuung im Kachelofenzimmer im Untergeschoß des Seminars. Da bis zum Sommer immer noch keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden worden waren, bot Herr Prange eben diesen Raum als Übergangslösung für die erste Gruppe an mit der Auflage, binnen einem Jahr entweder Räume zu mieten oder zu bauen. Im Sommer '78 begann also Frau Zimmermann mit der ersten Gruppe im Kachelofenzimmer des Freien Jugendseminars mit insgesamt 9 Kindern. Dafür wurde in den Ferien eine Toilette umgebaut, der Raum kindgerecht her- und eingerichtet und im Garten unterhalb des Seminars ein Platz in einer Obstwiese eingezäunt als Spielbereich im Freien. Das waren dann die Orte, wo mit großer Anteilnahme das erste Adventsgärtlein und das erste Sommerfest mit dem Rosentörlein gefeiert wurde. Als dann nach verschiedenen Überlegungen über Standort, Räumlichkeiten, Einzugsbereich - man dachte damals auch an eine eventuelle Weiterentwicklung in eine Waldorfschule - kein geeigneter Platz gefunden wurde, entschloß man sich, bestärkt durch das Angebot des Freien Jugendseminars und der Stadt Engen, das dem Seminar gegenüber liegende Grundstück zur Verfügung zu stellen, zu bauen. Herr Egner, selbst Vater eines Kindes im Waldorfkindergarten und Bautechniker bei der Stadt Engen erstellte den Plan, und die Eltern schufen, was sie konnten, von den Fundamenten bis zum Dach und der Außenanlage. Ostern/Pfingsten'80 konnte der Bau mit 2 Gruppen bezogen werden. Dort konnten nun und können hoffentlich noch lange Kinder behütet vor der verwirrenden Medienflut aufwachsen, ihre Phantasie, Intelligenz und ihre körperlichen und sozialen Fähigkeiten im Umgang mit den Naturmaterialien und dem Morgenrhythmus frei entfalten, geborgen in den immer wiederkehrenden Märchen und Jahresfesten, die mit großem Ernst vorbereitet, gefeiert und gelebt werden. Trotz allen Schwierigkeiten, die manche Eltern und Kinder in manchen Zeiten auf Grund von Meinungsverschiedenheiten - und so etwas wird es in einem lebendigen Organismus, in dem Menschen zusammenwirken, immer geben - durchmachen mußten, leben die wahren Ideen weiter, und der tiefere Sinn wird mit jeder Generation neu belebt. Engen, den 29.09.1998

Historie

So fing es an - ein kurzer Rückblick Baustelle des Kindergartens 1980 Es begann 1978 mit einer kleinen Gruppe von zunächst acht Kindern, die in einem Raum des Jugendseminars Engen im Sinne der Waldorf-Idee betreut wurden. Schon bald darauf entwickelte sich der Wunsch nach einem "richtigen" Waldorf- Kindergarten. Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Am 5.Juni 1982 wurde nach zweijähriger Bauzeit das Gebäude des Kindergartens in der Goethestraße 4 eingeweiht. Der großen Einsatzbereitschaft der Eltern und vieler freiwilliger Helfer war es zu verdanken, dass das Meiste in Eigenarbeit realisiert werden konnte und die Kosten überschaubar blieben. Im Geiste der Gemeinsamkeit entstand eine bis heute schöne Heimat für Kinder und Eltern, in der man sich wohl fühlt und vom Zusammenwirken aller lebt.
© Waldorfkindergarten Engen

Historie

So fing es an - ein kurzer Rückblick Baustelle des Kindergartens 1980 Es begann 1978 mit einer kleinen Gruppe von zunächst acht Kindern, die in einem Raum des Jugendseminars Engen im Sinne der Waldorf-Idee betreut wurden. Schon bald darauf entwickelte sich der Wunsch nach einem "richtigen" Waldorf-Kindergarten. Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Am 5.Juni 1982 wurde nach zweijähriger Bauzeit das Gebäude des Kindergartens in der Goethestraße 4 eingeweiht. Der großen Einsatzbereitschaft der Eltern und vieler freiwilliger Helfer war es zu verdanken, dass das Meiste in Eigenarbeit realisiert werden konnte und die Kosten überschaubar blieben. Im Geiste der Gemeinsamkeit entstand eine bis heute schöne Heimat für Kinder und Eltern, in der man sich wohl fühlt und vom Zusammenwirken aller lebt. Von den Anfängen des Waldorfkindergartens Engen Der etwas andere Engener Kindergarten Im schöpferischen Spiel lernen Kinder natürlich. Kleine Kinder brauchen eine beschützende Umgebung Fröhliche Menschen als Ziel Von den Anfängen des Waldorfkindergartens Engen Ideen, Gedanken und Inspiration sind immer der Anfang von etwas Neuem. Damit dieses Neue reifen und Realität werden kann, braucht es Menschen, die zum rechten Zeitpunkt sich begegnen, zusammenwirken und das Neue Gestalt werden lassen. Die Sehnsucht nach einer nach Waldorfprinzipien arbeitenden Einrichtung ging von einer jungen Familie aus, die 1976 in den Hegau versetzt wurde und eigentlich nach Überlingen am See in die Nähe der dortigen Waldorfschule kommen wollte, der Kinder wegen. Es fügte sich, dass zur gleichen Zeit in Engen das anthroposophische Freie Jugendseminar unter der Leitung von Herrn Prange in der ehemaligen Landwirtschaftsschule mit seiner Arbeit begann. Die Suche nach gleichgesinnten Eltern führte die Familie über die dortige Gärtnerin zu Herrn Prange, der dazu ermutigte, eine eigene Waldorfkindergarteninitiative zu gründen. Er bot selbst an, durch gemeinsame intensive Beschäftigung mit der Waldorfpädagogik und der ihr zu Grunde liegenden Anthroposophie in Form von einem Lesekreis, Eurythmie mit Frau Prange und Vorträgen mit Fachleuten mitzuhelfen, das geistige Fundament für die Initiative zu schaffen. An einem Nachmittag im Juni' 77 trafen sich dann interessierte Mitglieder einer Frauengruppe und Eltern mit ihren Kindern zu einem Gedankenaustausch und beschlossen, die Sache weiter zu verfolgen. Ein Lesekreis bei Herrn Prange entstand, man begann, Möbel, Tücher und Puppen für die erste Gruppe herzustellen, informierte sich bei benachbarten Waldorfkindergärten, und man bereitete sich mit einer groß angelegten Werbung und einem schönen Linolschnittplakat, von einem der Väter erstellt, auf einen herausragenden Vortragsabend "Über das Wesen des Kindes" mit Herrn von Kügelgen aus Stuttgart, einem der führenden Persönlichkeiten der Waldorfpädagogik vor, der im Herbst'77 stattfand. Neue Eltern kamen hinzu, und die Arbeit konnte gestärkt fortgesetzt werden. Im Dezember'77 wurde der notwendige rechtliche Rahmen in Form eines Vereins geschaffen und man begann gezielt mit der Suche nach einer Waldorfkindergärtnerin. Durch Zufall hörte im Frühjahr'78 eine Kindergärtnerin in Ausbildung, Frau Angelika Zimmermann, über ihre Mentorin in Überlingen von der neugegründeten Initiative, kam und ward in gegenseitiger Sympathie gewonnen für den Beginn einer Gruppe im Herbst '78, obwohl noch kein Raum zur Verfügung stand. Mit Hochdruck machte man sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für den Kindergarten. Bei einem Tag der Offenen Tür des Freien Jugendseminars im späten Frühjahr '78 übernahm die Initiativgruppe die Kinderbetreuung im Kachelofenzimmer im Untergeschoß des Seminars. Da bis zum Sommer immer noch keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden worden waren, bot Herr Prange eben diesen Raum als Übergangslösung für die erste Gruppe an mit der Auflage, binnen einem Jahr entweder Räume zu mieten oder zu bauen. Im Sommer '78 begann also Frau Zimmermann mit der ersten Gruppe im Kachelofenzimmer des Freien Jugendseminars mit insgesamt 9 Kindern. Dafür wurde in den Ferien eine Toilette umgebaut, der Raum kindgerecht her- und eingerichtet und im Garten unterhalb des Seminars ein Platz in einer Obstwiese eingezäunt als Spielbereich im Freien. Das waren dann die Orte, wo mit großer Anteilnahme das erste Adventsgärtlein und das erste Sommerfest mit dem Rosentörlein gefeiert wurde. Als dann nach verschiedenen Überlegungen über Standort, Räumlichkeiten, Einzugsbereich - man dachte damals auch an eine eventuelle Weiterentwicklung in eine Waldorfschule - kein geeigneter Platz gefunden wurde, entschloß man sich, bestärkt durch das Angebot des Freien Jugendseminars und der Stadt Engen, das dem Seminar gegenüber liegende Grundstück zur Verfügung zu stellen, zu bauen. Herr Egner, selbst Vater eines Kindes im Waldorfkindergarten und Bautechniker bei der Stadt Engen erstellte den Plan, und die Eltern schufen, was sie konnten, von den Fundamenten bis zum Dach und der Außenanlage. Ostern/Pfingsten'80 konnte der Bau mit 2 Gruppen bezogen werden. Dort konnten nun und können hoffentlich noch lange Kinder behütet vor der verwirrenden Medienflut aufwachsen, ihre Phantasie, Intelligenz und ihre körperlichen und sozialen Fähigkeiten im Umgang mit den Naturmaterialien und dem Morgenrhythmus frei entfalten, geborgen in den immer wiederkehrenden Märchen und Jahresfesten, die mit großem Ernst vorbereitet, gefeiert und gelebt werden. Trotz allen Schwierigkeiten, die manche Eltern und Kinder in manchen Zeiten auf Grund von Meinungsverschiedenheiten - und so etwas wird es in einem lebendigen Organismus, in dem Menschen zusammenwirken, immer geben - durchmachen mußten, leben die wahren Ideen weiter, und der tiefere Sinn wird mit jeder Generation neu belebt. Engen, den 29.09.1998 Der etwas andere Engener Kindergarten Eltern bauten den Waldorfkindergarten vor 20 Jahren - Geburtstag gefeiert Eine Elterninitiative veränderte vor 20 Jahren die Kindergartenlandschaft in Engen. 1977 fanden sich einige Eltern aus Engen und dem Hegau zusammen, um einen Kindergarten nach der Waldorfpädagogik zu gründen. 1978 war die Eröffnung. Vorübergehend hatte er eine Bleibe im Freien Jugendseminar gefunden. Im Juni 1982 wurde der von den Eltern erbaute Kindergarten in Betrieb genommen. Jetzt feierte der Waldorfkindergarten seinen 20. Geburtstag. Im Sommer 1977 fanden sich interessierte Eltern zusammen, um sich mit der Waldorfpädagogik vertraut zu machen. Ihr liegt die anthroposophische Pädagogik von Rudolf Steiner zugrunde. Ziel ist eine naturbezogene Erziehung, das Spielen mit selbstgebasteltem Spielzeug, damit die Kinder ihre Phantasie entfalten können. Die Kinder sollten individuell gefördert werden, ohne sie intellektuell zu überfordern. Thomas Jochim, einer der Initiatoren schilderte bei der kleinen Feierstunde zum 20, Kindergartengeburtstag die Entstehungs- geschichte. 1977 wurde der Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik gegründet. Mit acht Kindern wurde der Kindergarten 1978 im Freien Jugendseminar, der ehemaligen Landwirtschaftsschule, eröffnet. Die Kinder kamen aus Engen und aus dem Hegau. Gleichzeitig begann man mit den Überlegungen zu einer eigenen Unterkunft. Man einigte sich auf den Neubau eines Kindergartens. Gegenüber dem Jugendseminar stellte die Stadt ein Grundstück zur Verfügung. Die Baupläne fertigte Jürgen Egner, der auch die Bauleitung übernahm. Egner schilderte in seinem Vortrag Einzelheiten der Bauzeit und der Finanzierung. 378000 Mark ist der Wert des Grundstücks und Gebäudes. Stadt und Land leisteten einen Zuschuß von 174000 Mark. Das Baumaterial bezifferte er mit 90000 Mark und die Eigenleistungen der Eltern mit 168000 Mark. Individuell ist der Baukörper nach dem Waldorfprinzip gestaltet. Anderthalb Jahre haben die Eltern ihre Freizeit und auch Urlaube auf dem Bau verbracht, den sie im Sommer 1982 fertigstellten und einweihten. In den 18 Jahren seines Bestehens hat sich der Kindergarten mit seinen zwei Gruppen bewährt. Die Geburtstagsfeierstunde gestalten sieben Musikanten, ehemalige Kindergartenkinder. Die Vorsitzende des Vereins, Bettina Kaiser aus Tuttlingen, betonte die Verantwortung den Kindern gegenüber. Die Erzieherinnen, Ursula Böttger und Martina Koch, wollen im Sinne der Waldorfpädagogik das ganze Wesen der Kinder ansprechen. Die Initiative, den Geist der Gründungseltern gelte es zu pflegen und auszubauen. Sie betonten aber auch, daß sich die Erziehungsarbeit in den letzten 20 Jahren verändert hat, durch die geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch in Zukunft soll der Kinder- garten Platz für ein phantasievolles Spielen der Kinder bieten und ein waches Auge für die Natur vermitteln. Wichtig für die Kindergartenleiterin Martina Koch ist es, daß die Kinder durch Nachahmung lernen. Die Erwachsenen müßten deshalb Vorbild sein. Nach der Feierstunde tollten die Kinder im Kindergarten und im Freigelände herum und hatten ihren Spaß beim Puppenspiel mit dem Märchen von Rumpelstilzchen. Sommer 1998 Im schöpferischen Spiel lernen Kinder natürlich Waldorfkindergarten in Engen vorgesehen - Gegen die intellektuelle Ueberforderung Engen ros. Es surrt kein batteriebetriebener Metall-Schaufellader durchs Kinderzimmer und keine "Mama"-quäkende Plastikpuppe mit langen blonden Haaren sitzt im Puppenwagen. Bücher, die die Kleinkinder aufs Lesen, Schreiben und Rechnen trimmen sollen, bevor sie in die Schule kommen, gibt es auch nicht - bei den Waldorfanhängern. Sie wollen, daß ihre Kinder erst einmal das Spielen lernen, bevor ihr Intellekt auf Wissenschaft eingestellt wird. "Die schöpferische Phantasie fördern" ist ein wichtiger Waldorf-Gedanke und Leitsatz einer Gruppe von Waldorfanhängern im Hegau. Im Dezember des vergangenen Jahres haben sie den "Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik im Hegau" gegründet. Im August dieses Jahres wollen sie in Engen einen Waldorf- kindergarten eröffnen. Später, so der Vorsitzende Konrad Braun aus Mühlhausen-Ehingen, wird vielleicht eine Waldorfschule im Hegau die Fortsetzung sein. Eine Kindergärtnerin, die ab August 1978 den Waldorfkindergarten leiten soll, hat der Verein bereits gefunden. Sie ist 23 Jahre alt, staatlich ausgebildet, bringt Heimerfahrung mit und praktiziert zur Zeit in einem Waldorfkindergarten in Überlingen. Problem ist die Finanzierung. Da man die Eltern, die ein Kind in den Waldorfkindergarten schicken, nicht über Gebühr belasten will, hofft der Verein auf fördernde Mitglieder. Auch rechnet man mit der Unterstützung der Stadt Engen, für die der Waldorfkindergarten den Vorteil hat, daß sie eine Anzahl neuer Kindergartenplätze bekommt, auch wenn manche Kinder nicht aus Engen direkt, sondern auch aus anderen Hegaugemeinden kommen werden. Bisher hat die Stadt Räumlichkeiten angeboten, über die noch nicht entschieden ist. Als Zuschuß will die Stadt den Anteil geben, den sie anderen in Engen vorhandenen Kindergärten gibt, allerdings nur für Kinder, die aus Engen kommen. Nun, hier dürfte noch eine Aufgabe für den Verein liegen. Die Stadt Engen wird sich ausrechnen müssen, welchen Gewinn sie nicht nur an Kindergartenplätzen, sondern auch an Eigeninitiative von Eltern und an Ruf als Stadt mit Ideenvielfältigkeit hat. Das Grundübel des heutigen Erziehungssystems Kindergarten und Schule - sieht die Waldorfpädagogik in der intellektuellen Überforderung des Kindes. Der junge Mensch werde zu früh zu wissenschaftlichem Denken gezwungen. Dazu sei das Kind zwar fähig, werde aber überfordert und in seinem natürlichen Lebensrhythmus gestört. Der Spieltrieb des Kindes und seine schöpferische Phantasie müßten dagegen angeregt und gefördert werden. Im Spiel entwickle sich die Lernfähigkeit des Kindes, besagt die Waldorfpädagogik, wobei es zwischen Spiel und Spiel natürlich Unterschiede gibt. Gemeint ist nicht die Konfrontation mit vorgefertigten Spielsachen, mit bereits ausgetüftelten Spielen, sondern gemeint ist spielen mit natürlichen Mineralien, mit denen das Kind seine Vorstellungskraft walten lassen kann. Denken wir uns ein Spiel aus, einmal, wie es üblich ist, einmal, was Waldorfkinder damit machen würden. Zu Weihnachten gab's einen Kaufladen, schön rot lackiert mit vielen Fächern, Regalen und Schubladen. Das Salz ist in der dritten Schublade links oben, das Brot rechts unten, in der Mitte ein Fach für Süßigkeiten usw. Die Kinder spielen eine Weile damit, bis sie alles kennen und lassen den schönen Kaufladen bald links liegen, weil sie sonst nichts damit anfangen können. Im Waldorfkinderzimmer steht eine selbst gezimmerte Holzbank mit stabiler Lehne. Jetzt wird "Kaufladen" gespielt. Die Kinder besorgen sich ihre Lebensmittel selbst. Sie haben genügend Phantasie, um einem Wollknäuel die Bezeichnung Brot zu geben, ein paar Stücke Stoff und einige Tannenzapfen, vielleicht noch etwas aus Muttis Küche - und fertig ist der Kaufladen. Eine Stunde später wird die Sitzbank abgeräumt, umgedreht und ist die ideale Puppenbühne. Danach ist die Sitzbank wieder Sitzbank, auf der zwei "Waldorfmädchen" sitzen und sich mit ihren selbstgebastelten Puppen unterhalten. Das Kind erlebt seine Umwelt, ahmt sie im Spiel nach und lernt dadurch, ist die einfache Logik der Waldorfpädagogik. Den Vorteil gegenüber dem üblichen Erziehungswesen der westlichen Welt sehen die Waldorfanhänger in der natürlichen Entwicklung des Kindes. Noch einiges haben sich die Waldorffreunde im Hegau für ihren Kindergarten in Engen vorgenommen. Mit einer Gruppe wird begonnen, die nicht mehr als 15 Kinder zählen soll. Der Kindergarten wird nur halbtags "in Betrieb" sein, damit die Verbindung zum Elternhaus nicht zu lange unterbrochen wird. Überhaupt wird auf die Zusammenarbeit Kindergärtnerin und Eltern viel Wert gelegt. Auch eine Abstufung nach Jahren soll es nicht geben. Alle Kinder spielen in einer Gruppe und wenn ein Kind nicht mitspielen will, muß es das nicht, es soll sich frei entscheiden. Und eine Vorschule gibt es im Waldorfkindergarten auch nicht.